Ein bunter Strauß aus Frühlingsliedern

Der Frauenchor Judenbach, in der Mitte Dirigentin Barbara Zach als Solistin bei „Frühlingswind“. Am Sonntagnachmittag gab es im Kultursaal 100 ein Programm der Extraklasse. (Foto: Doris Hein)

Der Frauenchor Judenbach, in der Mitte Dirigentin Barbara Zach als Solistin bei „Frühlingswind“. Am Sonntagnachmittag gab es im Kultursaal 100 ein Programm der Extraklasse. (Foto: Doris Hein)

Text und Fotos von Doris Hein, erschienen in inSüdthüringen am 28. 4. 2026

Bereits zum 22. Mal präsentierte der ortsansässige Frauenchor am Wochenende „Judenbach wie’s singt und klingt“.

Auf solche Sänger und Musiker kann man im Landkreis einfach nur stolz sein! Was beim „Frühling in Judenbach“ da am Sonntagnachmittag alles geboten wurde, war allererste Sahne. Das gilt sowohl für die Stimmen der Sängerinnen als auch fürs Können der Instrumentalisten und gleichermaßen für die gelungene Mischung der Darbietungen.

Rund drei Stunden lang genoss das Publikum im Kultursaal 100 – wieder einmal! – ein Programm der Extraklasse. Da waren sich die Leiterin der Musikschule des Landkreises Sonneberg, Petra Adelbert, Sonnebergs Ehrenstadträtin Traudel Garg und all die anderen Konzertbesucher ausnahmslos einig. Sogar aus der Rennsteigregion, vom Musikverein Lichtethal, waren erstmals Gäste angereist und im Nachgang sehr froh darüber, diesen kulturellen Hochgenuss nicht verpasst zu haben. Zahlreiche Gäste waren zudem bereits lange vor Beginn des Programms gekommen, denn bei Kaffee und leckeren selbst gebackenen Kuchen durfte man sich vorab stärken.

Ehrungen mit Ständchen

Zum Auftakt der Veranstaltung kündigte Annette Walther, die mit gewohntem Witz und Charme durchs Geschehen auf der Bühne führte, einige Punkte außerhalb des kulturellen Programms an. So ehrte der Chor zunächst seine beiden Sängerinnen Gabriele Krannich und Brigitte Domschky mit passenden Ständchen anlässlich ihrer Geburtstage. Ein Hoch brachten ihre Mitstreiterinnen auch auf Christina Weigel aus, die vom Thüringer Chorverband für 40 Jahre als Chorsängerin (nicht nur bei den Judenbachern) geehrt wurde. Und ein Dankeschön in Form finanzieller Unterstützung überbrachte Bürgermeisterin Silke Fischer, die selbst im Chor singt und ihre Freude darüber zum Ausdruck brachte, dass es gegenwärtig in Föritztal neben dem Judenbacher Frauenchor noch 71 weitere engagierte Vereine gibt.

Mit „Nun treiben wir den Winter aus“ begannen die Sängerinnen schließlich unter der bewährten Leitung von Barbara Zach ihre Darbietungen, die sich im ersten Block vor allem um die längst herbeigesehnte Jahreszeit, den kühlen und schönen Maien, drehten. Dass die zahlreichen Oden an den Frühling im Kultursaal wohl auch in höheren Sphären wohlwollend zur Kenntnis genommen wurden, darauf ließen übrigens die angenehmen Temperaturen vor dem Haus sowie die blühenden Wiesen in und um Judenbach schließen… Mit einem traditionellen Volkslied von der Liebe als Bach, dem englischsprachigen „Scarborough Fair“, einem Ausflug in die Welt der Musicals von Andrew Lloyd Webber und Katja Ebsteins erfolgreichem Beitrag zum Eurovision Song Contest 1980 „Theater, Theater“ stellten die Sängerinnen ihre musikalische und stimmliche Vielfalt unter Beweis.

Nicht fehlen durfte auch ihre kleinere Formation, die „Bebos“, die zum ersten Mal in der Besetzung mit Barbara Zach, Annette Walther, Susanne Gläser, Silke Fischer, Petra Heß und Janina Shvabouskaya auftraten. Vom Kinderlied aus der italienischen Schweiz, in dem ein Kuckuck die Hauptrolle spielt, über den Welthit „California Dreamin“ von „The Mamas and The Papas“ bis hin zu Leonhard Cohens „Hallelujah“ reichten die Auszüge aus ihrem breit gefächerten Repertoire, die das Publikum mit viel Applaus honorierte.

Unterhaltsame Mundarteinlagen

Wenn die Judenbacher Sängerinnen zur Auflockerung ihres Programms Mundartvorträge mit einbringen wollen, dann müssen sie dafür nur bei ihren Chormitgliedern Roswitha Hoffmann und Regina Metzler anfragen, denn die beiden gehören auch dem Arbeitskreis Mundart Südthüringen an. Diesmal wartete Hoffmann mit Erinnerungen an eigene Kindheitserlebnisse beim Glockenläuten auf, entführte die Zuhörer in die herrliche Natur im Frühling, erläuterte aber auch Pro und Contra mit modernen, coolen Dingen wie Alexa.

Metzler hatte kleine Geschichten darüber mitgebracht, was man als Rentnerehepaar etwa mit der Katze, den Arbeitshosen oder dem nachlassenden Seh- oder Hörvermögen erleben kann. Zudem lobte sie das Publikum, das sich – anstatt vor dem Fernseher zu sitzen – für Live-Unterhaltung durch engagierte Mitbürger entschieden habe.

Musikalische Gäste

Als musikalische Gäste hatten die Organisatoren die Gruppe 4Klang der Musikschule eingeladen. Juliane Hoffmann, Annette Walther, Aaron Heinrich und Roland Brehm hatten sich nicht lange bitten lassen und boten zunächst Musik zum Mitklatschen und Mitsingen dar. Die entsprechenden Noten hatte ihnen dankenswerterweise die Gruppe „Kantholz“ überlassen, die Lieder entstammten teilweise der Sammlung des Thüringer Volksliedgutes von Horst Traut und reichten von Polka und langsamem Walzer bis zum „Lauschaer Galopp“ und dem „Kantholzmarsch“, den einst Volker Sesselmann den Kanthölzern geschenkt hatte. Als talentierte Sänger und Schauspieler erwiesen sich die vier bei humoristischen Titeln wie Max Raabes „Kein Schwein ruft mich an“ oder den Tangos „Ich küsse Ihre Hand, Madame“, „Hernandos Hideaway“ und „Adios muchachos“.

Finale mit eigenen Lieblingsliedern

Um eine Zugabe kamen sie ebenso wenig herum wie die Gastgeber vom Judenbacher Frauenchor, die zum Finale ihre eigenen Lieblingslieder präsentierten. Damit spannten sie einen Bogen von Reinhard Mey bis Pasquale Thibaut, von „Welch ein Geschenk ist ein Lied“ bis „Schau nur, die Schwalben sind da“, von „Verliebt in eine Linde“ bis zu „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“. Warum sie so vielseitig und wohlklingend singen können? Auch darauf hatten die Sängerinnen prompt eine musikalische Antwort, entliehen bei Max Raabe: „Für Frauen ist das kein Problem, sowas machen sie mit links…“. Und außerdem haben sie ja ihren treuen Begleiter am Klavier, Daniel Fuhrmann, und ihre Barbara als Dirigentin, Solosängerin und Violinistin…

Im Chor sind dessen Mitglieder übrigens nicht nur des Gesanges wegen, sondern ebenso der Gemeinschaft halber. Denn, wie es Annette Walther formulierte: „Chorgesang ist gut für die Seele“. Wer seiner Seele also etwas Gutes tun möchte, ist zu den nächsten Terminen des Judenbacher Frauenchores herzlich eingeladen

Einige Impessionen von Doris Hein