Der Gesangverein 1860 Weitramsdorf lud am Samstag zum Liederabend in die Sport- und Kulturhalle des TSV Weitramsdorf und sieben Gastchöre folgten. Es war eine gelungene Veranstaltung, die jeder Chor mit seinem eigenen Klang, seinen speziellen Fähigkeiten und seiner besonderen Ausstrahlung bereicherte. Foto: NP/Bettina Knauth
Ein Liederabend in Weitramsdorf zeigt, dass Chorgesang keineswegs verstaubt ist, sondern modern und mitreißend daherkommt.
Von Bettina Knauth, erschienen in der Neuen Presse Coburg am 14. November 2025
Weitramsdorf. 165 Jahre Gesangverein Weitramsdorf: Sein Jubiläum feierte der 1860 gegründete Verein mit sieben Gastchören und zwei Ensembles am Samstagabend (8. November). Die große Sport- und Kulturhalle des TSV Weitramsdorf war gut gefüllt. Geboten wurde ihnen ein Ohrenschmaus mit einem knapp dreistündigen abwechslungsreichem Programm.
„Der Abend steht ganz im Zeichen der Chorgemeinschaft und der Freude am Gesang“, sagte der Vorsitzende Michael Teufel zur Begrüßung. Ob Männer-, Frauen- oder gemischter Chor: Alle rissen das Publikum mit ihrer ganz eigenen Klangfarbe mit. Das Repertoire reichte vom klassischen, auch geistlichen Liedgut und beliebten Chorliedern über Schlager verschiedener Epochen bis hin zu englischsprachigen Hits. Alle präsentierten sich modern arrangiert. Jedem teilnehmenden Chor gelang es dabei, seinen einzigartigen Stil mit Kraft und Harmonie ebenso zu zeigen, wie die Bandbreite seines Liedguts. Durch den Abend führten Marie-Luise Albrecht-Müller und Jessika Dietz.
Zum Auftakt ein Halleluja
Den Anfang machten die Jubilare, der Gesangverein Weitramsdorf, der seit einem halben Jahr durch den Gesangverein Beiersdorf verstärkt wird, mit „Halleluja“. Dann waren die Jüngsten gefragt: Der SChulchor der Hermann-Grosch-Grundschule Weitramsdorf, ebenfalls unter der Leitung von Wolfgang Börner, bewies mit vier Liedern, dass die Chormusik schon die Jüngsten begeistern kann. Das Publikum konnte sich über die Klassiker „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens, „Alles nur geklaut“ von den Prinzen und Nenas „99 Luftballons“ freuen.
Gemeonsam mit dem einheimischen Frauenchor folgte dann noch „Ich wollte nie erwachsen sein“ von Peter Maffay. Nach dem „Lollipop“ der Weitramsdorfer Frauen übernahm der Liederkranz Heilgersdorf 1923 die Bühne: Sie entführten unter der Leitung von Dominik Sperlich unter anderem „Über die Wolken“ oder aufs Meer mit „Santiano“.
Emotional und ausdrucksstark präsentierte dann der Liederkranz 1859 Großwalbur mit seiner Dirigentin Yvonne Unger sein klassisches („Praise the Lord“), aber auch sein modernes Repertoire, mit „Feuerlicht“ von Herbert Grönemeyer, „Ich geh in Flammen auf“ von Rosenstolz und „Eisblumen“ von Udo Jürgens.
Auch die Schola Akanamandla 1990 aus Neundorf unter der Leitung von Romy Dellert hatte ein Lied des Österreichers im Repertoire: „Ich war noch niemals in New York“, dazu „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani oder die englischsprachigen Pop-Hits „Footloose“ und „Caravan of Love“. Dann waren wieder die Gastgeber an der Reihe, mit einem Medley beliebter Chorlieder, von „Adiemus“ über „Mama Loo“, „Oh Happy Day“ bis „Hinterm Horizont“. Begleitet wurde der Chor von Jürgen Klose am Klavier.
Es war der Lehrer und Kantor Johann Albrecht Schneyer, der den Chor 1860 ins Leben rief. 26 Gründungsmitglieder zählte der neue Verein. Von Anfang an bereicherte er das kirchliche wie das gemeindliche Leben. Nachdem ihm 1878 eine Lesegruppe angegliedert wurde, nannte er sich „Lese- und Gesangverein Weitramsdorf“.
Nach der kriegsbedingten Pause ab 1942 nahm der Verein die Übungsstunden mit Jahresbeginn 1948 wieder auf. Mit regelmäßigen Liederabenden und Freundschaftssingen, zu denen die Gastgeber stets Chöre aus der Region einluden, erfreute der Verein ab dem Jahr 2000 sein Publikum. 2008 entstand zusätzlich zum Männerchor ein Frauenchor. 2010 feierte der Gesangverein sein 150-jähriges Jubiläum.
Über 50 Männer und Frauen
Inzwischen singen über 50 Männer und Frauen einzeln in den Chören, aber auch gemeinsam als gemischter Chor, immer unter der Leitung des Musiklehrers Wolfgang Börner, der selbst im mehreren Chören singt. Sein Credo: „Beim Singen sollen sich Freude, Menschlichkeit, Leistung und Disziplin vereinen.“
Bevor es in die Pause ging, rockten die Gäste aus dem benachbarten Landkreis Sonneberg die Bühne: Der Männerchor Judenbach 1878 (Leitung: Evelyn Vogel) und der Frauenchor Judenbach 1997 (Leitung: Barbara Zach). Die Männer aus der Gemeinde Föritztal gaben unter anderem „Rock my Soul“ und „My Way“ zum Besten, die Frauen „Wir machen Musik“ und „Pigalle“. Beide schlugen auch besinnliche Töne an: Die Männer mit „Trösterlein Musik“ und dem „Türmerlied“, die Frauen mit „Welch ein Geschenk ist ein Lied“ und „Der einfache Frieden“.
„Es gab mal eine Zeit, in der lautete der wichtigste Vorsatz: ‚Nie wieder Krieg!‘, doch einige Leute da draußen scheinen das vergessen zu haben“: Mit diesen Worten kündigte Zach das Friedenslied an.
Nach der Pause rissen die Judenbacher dann erst recht das Publikum mit. Zunächst das Vokalensemble „Belcanto“ aus dem Männerchor (Leitung: Mathias Jonczyk) mit „When I’m sixtyfour“, „Fürstenfeld“ und „Irgendwo auf der Welt“, dan die Frauen von „Bebos“ (Leitung: Barbara Zach) mit „Ein gutes Tier ist das Klavier“, Money, money, money“ oder „Ich will keine Schokolade“, bei denen sie auch ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellten.
Den Schlußpunkt setzten dann die Gastgeber mit „Im Wagen vor mir“ und „Danke für die Lieder“.